Wie du emotionale Konfliktgespräche am Arbeitsplatz souverän und ruhig meisterst

WIE DU EMOTIONALE KONFLIKTGESPRÄCHE AM ARBEITSPLATZ SOUVERÄN UND RUHIG MEISTERST

In diesem Post erfährst du 13 Strategien, wie du sogenannte Konfliktgespräche ruhig und gelassen meisterst.

Gehörst du zu den Menschen, die jedem Konflikt aus dem Weg gehen wollen? Wie steht es um deine Konfliktbereitschaft in der Arbeitswelt? Hast du auch schon bemerkt, dass man nicht jedem Konflikt entkommen kann und das Negieren eines Konfliktes oft negative Auswirkungen auf dich hat?

Wie ich meine Lektionen gelernt habe

Ich habe diese Lektion auch auf dem harten Weg lernen müssen. Wohlbehütet und fern von jeglichen Konflikten aufgewachsen, war ich alles andere als bereit Konflikte auszutragen. Für mich waren Konflikte stets total negativ behaftet und ich habe diese einem echten Streit gleichgesetzt. Erst als ich nach meiner Schulbildung in die Arbeitswelt eingetreten bin, habe ich sehr schnell gemerkt, dass das Ausweichen von Konflikten meist nur Nachteile für mich brachte. Manchmal habe ich so stillschweigend einer nicht gewollten Änderung oder Mehrarbeit zugestimmt. Innerlich habe ich mich fürchterlich darüber geärgert, dass ich schon wieder nicht das Wort ergriffen und mich nicht verteidigt hatte.

Viele Jahre, Lehrstunden und Konfliktsituationen später hab ich gelernt, Konflikte als neutrale Plattform für den Meinungsaustausch zu sehen. Ich bin nach wie vor kein Menschentyp, der den Konflikt sucht, so wie viele andere. Mittlerweile kann ich der hoch intensiven und oft emotionalen Energie in einer Konfliktsituation wiederstehen und konstruktiv und neutral in diesen Situationen bleiben, bis die Angelegenheit geklärt ist.

Die Perspektive ist entscheidend

Wie kann es bitte sein, dass manche Menschen regelrecht jeden Konflikt scheuen, wohingegen andere scheinbar permanent den Konflikt und das Anecken suchen? Sind die Suchenden denn wirklich masochistisch begabt? Nein, das glaube ich nicht mehr. Vielmehr spielen einzig unsere Erziehung und unsere Erfahrungen in den jungen Lebensjahren eine Rolle, wie wir mit intensiven Konfliktsituationen umgehen. Hast du diese nie erlebt, wirst du auch nicht wissen, wie du damit umgehen sollst. Klingt logisch oder?

Dieses Thema der so unterschiedlichen Perspektiven auf eine Sache, fasziniert mich seit Jahren. Man kann dieses Phänomen überall vorfinden und ein gutes Beispiel dafür sind die völlig konträren Sichtweisen von politischen Parteien. Wie könnte es denn sonst sein, das ein Umstand, völlig konträre Ansichten erzeugen kann?

Falls du also zu der Gruppe von Menschen gehörst, die Konflikte eher aus dem Weg gehen, habe ich eine gute Nachricht für dich. Du und alle anderen, die etwas konfliktscheu sind, sind einfach auf diese Verhaltensweise konditioniert worden. Eine Konditionierung ist einfach eine erlernte Verhaltensweise, die dir zu einem bestimmten Zeitpunkt gut gedient hat und mit der du optimal durch dein Leben gekommen bist. Die gute Nachricht ist, dass du dich neu konditionieren kannst und lernen kannst, mit anspruchsvollen Situationen sowie auch den hitzigsten Konflikten ruhig und gelassen umzugehen. Im folgenden Teil gebe ich dir einige Tipps und Strategien, wie dir das in Zukunft gelingen wird.

Strategien für einen neutralen Umgang mit Konflikten

Was ist eine Konfliktsituation?
Der Duden definiert einen Konflikt wie folgt: „Durch das Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen o.Ä. entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führen kann.“

Nachdem das Wort „Konflikt“ sehr stark ist und schon eher an kriegerische Handlungen erinnert, ist es für den praktischen Wortgebrauch wohl besser die Wörter „Meinungsverschiedenheit“, „unterschiedliche Auffassung“ oder dergleichen zu verwenden.

Wir geben also Situationen, in denen wir und eine andere Partei uneinig über einen Umstand sind, den Namen Konflikt.

Nimm Konfliktsituationen nicht persönlich
Konflikte sind absolut natürlich. Nachdem jeder Mensch, aufgrund seiner Erfahrungen, unterschiedlich ist, sind auch die Sichtweisen auf die Welt sehr unterschiedlich. Diese differenzierten Sichtweisen mit den unterschiedlichen Interessen in deinem Unternehmenskonzept gepaart, bergen oft Potential für Konflikte. Ein Konflikt ist neutral betrachtet einfach eine unterschiedliche Sichtweise auf Dinge. Genau so solltest du dies in Zukunft auch sehen. Speziell im Unternehmenskontext lassen sich diese Uneinigkeiten nicht vermeiden, da unterschiedliche Abteilungen auch unterschiedliche Interessen verfolgen. Nachdem nicht jede Situation ganz klar und eindeutig durch ein Regelwerk definiert ist, gehören unterschiedliche Interessen zur Tagesordnung.

Warum nimmst du Unstimmigkeiten mit deinem Gegenüber persönlich?
Hast du schon einmal ehrlich hinterfragt, warum du Konflikte persönlich nimmst und emotional darauf reagierst? Immerhin sind es einfach Meinungen und verbale Laute – aka Worte – die aufeinanderprallen. Das ist doch noch lange kein Grund emotional zu reagieren oder doch?

Erkenne deine Trigger-Punkte – Was bringt dich zum Überkochen?
Was sind die Situationen in hitzigen Gesprächen, die dich emotional „auszucken“ lassen? Diese Aktionen deines Gegenübers nennt man „Trigger“. Eben deswegen weil sie bei dir etwas auslösen, etwas triggern. Um Souveränität zu erlernen, ist es von großer Bedeutung, diese Muster zu erkennen. Genau diese Trigger solltest du erkennen und hinterfragen.

Stell dir die Frage:
Ist es wirklich so, wie ich denke? Wäre es möglich, dass der Standpunkt meines Gegenübers auch seine Berechtigung hat?

Ich weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie schmerzhaft es sein kann, in seinen eigenen Emotionen gefangen zu sein. Ich weiß, was es bedeutet, in einer Situation riesige Emotionen zu verspüren, obwohl man genau weiß, dass es eigentlich nicht notwendig und sogar unnötig ist.

Ein Konflikt kann äußerst Nützlich sein, denn er hat eine klärende Wirkung
Konflikte sind objektivbetrachtet etwas absolut Positives, da sie Klarheit und Konsens schaffen. Immer dort wo es Unstimmigkeit gibt, kann ein Konflikt diese Unstimmigkeit klären, damit man anschließend wieder an der Zielerreichung arbeiten kann – soweit zumindest die Theorie. In der Praxis mag das nicht immer so einfach sein – immerhin „menschelt“ es überall.

Konflikte verschwinden nicht einfach so
Wenn es sich um ernste Themen handelt, hilft es oft nicht, dem Konflikt zu entweichen. Heikle Themen sollten alsbald geklärt werden. Wird der Interessensausgleich immer weiter nach hinten geschoben, staut sich bei beiden Parteien Emotion auf. Wie bei einem Stausee, wird der Level von Emotion und Energie größer und größer. Diese Emotion wird sich dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in der unvermeidlichen Konfliktsituation entladen. Sprich Missstände immer gleich an, drücke deine Meinung und deine Wünsch immer zeitnah aus. So kannst du verhindern, dass sich unnötig viel Emotion aufstaut. Öfter schon habe ich beobachten können, wie sich diese aufgestaute Energie über lange Zeit in regelrechten Hass verwandeln kann. Zwei Kollegen haben eine Meinungsverschiedenheit, beschließen nicht zu diskutieren und diese beidseitige Emotion staut sich immer weiter auf, bis sich beide nicht mehr in die Augen schauen können und eine konstruktive Zusammenarbeit extrem schwer für beide Belastend wird. Sei sensibel für Signale von Kollegen, Chefs und Mitarbeitern und sprich Unstimmigkeiten möglichst früh an.

Vermeide das Austragen von Konflikten über Email.
Einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Auch wenn es noch so verlockend und leicht scheint. Das Schreiben von „bösen“ Emails wird deine Auseinandersetzung nicht lösen können. In meiner Vergangenheit im Einkauf habe ich nur zu oft miterlebt, wie ungeschickte Kommunikation per Email tiefe Gräben zwischen Parteien geschaffen hat. Es geht nichts über ein persönliches Gespräch.

Gemeinsamkeiten bauten Brücken
Bei sehr verfahrenen Situationen kann es helfen, kleine Gemeinsamkeiten zu finden, um von dort aus das Gespräch aufzubauen.

Es tut mir leid
Öffnet sich dein Gegenüber und erklärt dir, dass deine Handlungen ihn verletzt haben, kann es wahre Wunder wirken, ein ehrliches „Es tut mir Leid“ anzubringen. Diese Phrase signalisiert Verständnis und zeigt, dass du nicht absichtlich auf den Gefühlen des anderen herumtänzelst und wird wiederum als Fundament für weitere konstruktive Diskussionen dienen. Eine ehrliche Entschuldigung und auch einen Dank am Ende einer Diskussion verleihen dem ganzen Gespräch eine wärmere Note und ein angenehmeres Gefühl.

Bleibe im Gespräch zielorientiert
Nachdem du gemeinsam mit deinem Gegenüber die Situation erörtert hast, kommt es darauf an, nicht in der Vergangenheit zu kramen, sondern eine Lösung zu finden. Lass also die Vergangenheit ruhen und arbeite gemeinsam an einer Lösung, die beide Seiten zufriedenstellen kann.

Aktives Zuhören
Höre wirklich zu und versuche den Standpunkt und die Beweggründe des anderen zu verstehen. Kannst du erkennen, warum das Gegenüber so aufgebraust ist? Ist das in seiner Situation nicht verständlich?

Achte besonders auf die Wortwahl
Anschuldigende Phrasen wie „du hast“ oder „du machst immer…“ erzeugen nur ein Gefühl des Beschuldigens und helfen nicht weiter. Verwende statt dessen ICH-Botschaften wie beispielsweise: „Ich habe das so empfunden…“ oder: „Die Situation wirkt auf mich …“

Bleibe respektvoll und akzeptiere auch, dass Menschen oft emotional reagieren und dann auch Dinge sagen und tun, die sie nicht so meinen.

Deinen Standpunkt respektvoll, aber bestimmt kommunizieren
Bereit zu sein, einen Konflikt konstruktiv auszutragen, bedeutet auch, deinen Standpunkt respektvoll und klar zu kommunizieren und zu vertreten. Es wird vorkommen, dass die Lösung eines Konflikts sich als eine Konsenslösung offeriert. Jedoch solltest du auch in hitzigen und emotionalen Situationen nicht auf deine Bedürfnisse und Standpunkte vergessen. Wenn es um wichtige Dinge geht, solltest du nicht einfach auf deine Standpunkte verzichten, damit du einem Konflikt entweichen kannst.

Viele Menschen gehen Konflikten wohl aus dem Weg, weil sie Angst vor Ablehnung haben. Das mag tief in uns verwurzelt sein, da wir seit Anbeginn unseres Daseins nach Liebe und Anerkennung lechzen. Ein respektvoll und konstruktiv ausgefochtener Konflikt wird in den wenigsten Fällen dazu führen, dass du Ablehnung erfährst. Vielmehr wird eine konstruktive Konfliktbereitschaft dir ein gutes Maß an Respekt einbringen, den du bis jetzt eventuell vermisst hast.

 

Vielleicht ist am Ende des Tages das Wissen am wichtigsten, dass du ehrlich und authentisch du bist. Du selbst zu sein, bedeutet eben auch, deine Standpunkte und Sichtweisen zu vertreten, diese auch in schwierigen Situationen darzulegen und auch bereit zu sein, darüber zu diskutieren.

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Photo by Ming Jun Tan on Unsplash

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