Meditation als Mittel gegen Stimmungsschwankungen – plus mehr Klarheit und Lebensfreude

Meditation als Mittel gegen Stimmungsschwankungen

Sie kommen oft unerwartet, in allen Lebenslagen, die meisten Menschen kennen sie, viele sind sogar regelmäßig davon betroffen und nur die wenigsten wissen was sie dagegen tun können, ohne sich direkt Medikamente der Pharmaindustrie zuzuführen. Die Rede ist von Stimmungsschwankungen. Dieser Post ist für dich, wenn du ab und an von negativer und depressiver Stimmung betroffen bist und eine Alternative zu Psychotherapie und Antidepressiva suchst. Selbst lange davon betroffen, habe ich mit Meditation ein Mittel gegen Stimmungsschwankungen gefunden, dass mich weiterestgehende davon befreit hat.

Warum ich weiß, wovon ich schreibe – meine Geschichte

Ich war und bin manchmal immer noch selbst von diesen grauen Stunden betroffen, in denen sich alles in eine negative Stimmung und gedämpfte Gefühle hüllt. Mir hat Meditation geholfen, diese nicht unbedingt angenehmen Phasen meines Lebens besser zu bewältigen. Viel besser noch, meist brechen sie gar nicht oder nicht mehr in der Kraft aus, wie zuvor. Eine Phrase die meinen Zustand oft beschrieben hat ist, himmelhochjauchzend fröhlich oder zu Tode betrübt. Die meisten Menschen kennen nur meine fröhliche Seite und sind immer wieder überrascht, wenn ich offen über die manchmal nicht so helle Seite meiner Persönlichkeit spreche. Ich glaube auch, dass Menschen die einem nicht unbedingt super nahestehen, diese Seiten nicht wahrnehmen wollen. Ansonsten müsste man doch einmal ein tiefes Gespräch über ein vielleicht nicht so drolliges Thema führen.

Ehrlichgesagt, bin ich manchmal selbst überrascht, wie schnell sich meine Stimmung drehen kann, wenn ich meine Tage bekomme. So bezeichne ich mittlerweile mit einem Lächeln die Stunden, wenn es mir psychisch nicht so gut geht. Heute und viel harte Arbeit an mir und meine Psyche später, kann ich damit besser umgehen, merke wenn sich diese Episoden von negativer Stimmung über mich hüllen und kann mein Verhalten anpassen. Anpassen vor allem dahingehende, dass ich meinen Freiraum brauche und mich eher aus sozialen Situationen zurückziehe.

Tabuthema psychische Probleme

Ich trage mein Herz meistens sowie auf der Zunge und wenn mich jemand ehrlich fragt, bekommt er auch zu diesem Thema eine ehrliche Antwort. Sehr schnell habe ich aber auch gemerkt, dass die Mehrheit nicht bereit ist über so ein Thema zu reden. Vielmehr reagieren viele sogar geschockt, wenn man auf ein legeres „Wie geht’s?“ ein ehrliches: „Nicht so gut heute!“ folgen lässt. Stimmungsschwankungen, schlecht drauf sein und es vielleicht sogar Depression zu nennen, gehört noch immer zu Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Dieser Umstand führt dazu, dass viele im Stimmen leiden. So auch ich lange Zeit, weil selbst meine engste Familie meine Hilfeschreie leicht abgetan hat. Nach dem Motto – du hast alles, sei doch dankbar dafür, als immer zu jammern – wurden meinen negativen Episoden und Stimmungsschwankungen wenig Aufmerksamkeit geschenkt. So war ich mit meiner grauen Wolke oft alleine in meinem Zimmer und wollte eigentlich gar nichts mehr machen.

Mein Exkurs in die Hilfe der Pharmazie

All die unzähligen online Fragebögen, die ich ausgefüllt habe, waren sich einig. Ich sollte ärztlicher Hilfe aufsuchen. Das habe ich dann nach langem Zögern auch irgendwann getan. Das Resultat war mir eigentlich schon vorher bekannt. Natürlich habe ich prompt eine Pille zur Stimmungsaufhellung verschrieben bekommen. Was soll denn ein Neurologe sonst machen? Es ist sein Beruf dem Patienten mittels Medikamenten zu helfen. Alleine der Gang zum Neurologen, um „zuzugeben“, dass man ersthafte Probleme hat, ist wie der Gang zum jüngsten Gericht. Es ist ein Eingeständnis, dass man Hilfe braucht und alleine nicht weiterkann. So wirklich offen hatte ich vorher noch nie gesagt, dass ich nicht mehr kann. Einziger Vorteil den ich damals hatte war, dass ich diesen Arzt schon von einigen Untersuchungen zuvor kannte. Wahrscheinlich wäre ich sonst nie hingegangen. Zu sehr habe ich mich selbst schuldig gefühlt, ab und an alles grau und negativ zu sehen.

Die Nebenwirkungen der verschriebenen Pillen, decken so ziemlich jede Horrorvorstellung eines Krankheitsbildes ab. Vor allem aber sollte man davon Rastlosigkeit empfinden. Bei mir war genau das Gegenteil der Fall, diese Tabletten machten mich zu Tode müde. Nach den ersten Einnahmen, bin ich für drei Stunden in den Tiefschlaf gefallen. Den Arzt wieder aufsuchend, habe ich eine zweite zusätzliche Pille verschrieben bekommen. Haha geht’s noch? Das war für mich der Moment an dem ich beschlossen habe, aufzuhören mit diesem Tabletten Wahnsinn. Jeder muss für sich entscheiden, was gut für einen ist und ich war der festen Überzeugung, dass ich meine Stimmungsschwankungen auch ohne Tabletten in den Griff bekommen werde. Ab und an ein paar Stunden Pause machen zu müssen ist auf jeden Fall besser, als ein Leben als Junkie von Antidepressiva Medikamenten zu fristen.

So sieht eine typische Episode dieser Stimmungsschwankungen bei mir aus

Das gute zuerst. Diese Phasen halten bei mir nicht ewig lange an. Wie lange kann ich nie vorhersagen. Sie sind auch immer unterschiedlich lange, mal 10 Minuten oder auch einen halben Tag. Spätestens nach einer Nacht guten Schlafes, ist meist wieder alles im Normalzustand. Manchmal aber, haltet sich dieser Zustand auch den ganzen Tag oder mehrere Tage.

Den geistigen Zustand in dem ich mich befinde, beschreibe ich am besten mit gedämpft und lustlos. Bei mir äußert sich vor allem Lustlosigkeit und das Bedürfnis Raum und Zeit für mich alleine zu haben. Ich habe dann meist keine Lust mit irgendjemanden zu sprechen. Außerdem weiß ich mittlerweile, dass ich gut beraten bin sozialen Abstand zu schaffen, da ich in diesen Phasen überaus kritisch und negativ gegenüber allem bin. Nicht scheint so richtig Sinn zu machen, wenn ich meine Tage habe. Das schlimmste ist jedoch die Hilflosigkeit die ich dann empfinde. Es ist eine Hilflosigkeit nicht von selbst wieder herauszukommen.

Meditation als ein Weg zur Liberation

Ich meditiere seit drei Jahre. Angefangen hat alles mit einem App namens „Headspace“. Danke Andy für dieses wunderbare Smartphone App, das ich jedermann empfehlen kann. Hinter diesen wunderschön animierten Oberflächen und Videos verbirgt sich sehr viel Wissen aus dem Buddhismus, nur eben sehr westlich und spielerisch verpackt.

Die Vergänglichkeit aller Dinge und vor allem dieser negativen Episoden, ist die wichtigste Lektion, die ich lernen durfte.

Als ich mit einer regelmäßigen Meditationspraxis begann, hat sich schon nach wenigen Wochen einiges in mir bewegt. Gedanken waren auf einmal nicht mehr so permanent und bindend wie zuvor und ich wurde klarer in den Vorstellungen meines Lebens. Ich lernte Gedanken und Emotionen als etwas Vergängliches anzuerkennen. Die Idee vom „Blue Sky“, wie es Andy im App erklärt und ich später noch in einigen Meditationsretreats hören würden, änderte für mich alles. Dieses Konzept sagt aus, dass die Grundstimmung des Menschen positiv und friedvoll ist und wir oft nur keinen Zugang dazu haben, weil sich Wolken davorschieben. Diese Wolken blockieren also den Zugang zur positiven Energie des blauen Himmels und der Sonne. Für mich war es geistig eine riesen Errungenschaft, zu verstehen, dass jeder geistige Zustand vergänglich ist und nach dem Nebel wieder Sonne kommen wird. Diese Erkenntnis hilft mir auch heute noch, mit den grauen Stimmungen umzugehen, wenn sie mal wieder aus dem Nichts auftauchen.

Das beobachten des Atems, der Gefühle und Emotionen in der Meditationspraxis legt den Grundstein, die Stimmungsschwankungen wahrzunehmen, aber nicht mehr so bindend und ernst zu nehmen als zuvor. Wenn sie da sind, weiß ich das. Jedoch sind es für mich Empfindungen generell nichts mehr, dem ich blind folgen muss. Egal ob Freude oder Frust, Glücksgefühl oder Wut, ich kann das Gefühl wahrnehmen und selbst entscheiden was ich damit tue. Meditation half mir Abstand zwischen den Reizen der Wahrnehmung und meiner Reaktion zu bringen. Ich habe noch keinen Weg gefunden, wie ich die Stimmungsschwankungen per Finger-Schnipsen loswerden kann, jedoch sehe ich sie nun weniger bindend als früher.

Um Meditation als Mittel gegen Stimmungsschwankungen zu „erlernen“ ist keine spezielle Form von Meditation notwendig.

Jede mir bekannte Meditation schult den Praktikanten in der Vergänglichkeit der Dinge, den Fokus der Aufmerksamkeit und die damit verbundene Klarheit der Dinge. Die Grundform von Meditation, die auch Buddha gelehrt haben soll, ist Anapanasati. Dabei richtest du deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem und beobachtest den ein- und ausströmenden Atem und die damit verbundenen Bewegungen und Empfindungen in deinem Körper. Mit der Meditation beginnend, kann das langweilig erscheinen. Mehr und mehr kannst du jedoch erkennen, das jeder Atemzug eine andere Qualität hat und auch aus mehreren Teilprozessen besteht. So gibt es beispielsweise die Länge des Einatmens, den kurzen ruhigen Moment und die Temperatur der Luft zu erkunden.

Gedanken “einfache” sein lassen
Eine der Grundlektionen ist es, Gedanken und Gefühle zu beobachten und einfach sein zu lassen. Die Kunst dabei ist es, nicht mit deinen Gedanken zu interagieren, sondern sie einfach sein zu lassen. Sie verschwinden wieder im nichts, aus dem sie gekommen sind. Meditation ist ein bewusstes nichts-tun. Die Fähigkeit Das ist eine Fähigkeit die du mit Meditation entwickeln wirst und es mir ermöglicht mit meinen grauen Phasen besser umzugehen.

Meine eigene Version leben – Mut zum eigenen Leben

Zu der oben beschriebenen Fähigkeit, hat mir eine regelmäßige Meditationspraxis erlaubt, eine neue Klarheit über mein Leben und meine Ziele zu entwickeln. Diese Klarheit hat meiner Meinung nach dazu geführt, dass ich weniger oft von Stimmungsschwankungen heimgesucht werde. Über lange schmerzvolle Jahre habe ich mein Leben an Vorstellungen anderer ausgerichtet. War braves Kind, braver Schüler, habe gehorcht und bin dem Weg der Massen gefolgt. Zwischen meinen Vorstellungen von einem guten Leben und dem was ich gelebt habe, war eine Entfernung, groß, wie der Grand Canyon breit. Ich hatte nicht den Mut das auszusprechen und zu tun was ich wollte. Das führte dazu, dass ich verärgert über mich selbst war, weil ich nicht meine eigene Version gelebt habe. Wie alles, dem man nicht Raum gibt, staute sich dieser Ärger innerlich auf.

Heute sage ich mit Stolz, dass ich endlich wieder eine Verbindung mit meinem Herzen hergestellt habe.  Ich höre wieder auf die Stimme meines Herzen und lasse mich voller Freude von ihr lenken. Mein Herz ist es auch das mich dazu bewegt hat, mir den Traum von dieser langersehnten Reise zu erfüllen.

Mehr zum Thema “Verbindung mit deinem Herzen” und eine Meditationsanleitung findest du HIER.

Meditation hat nicht nur meine Wahrnehmung der Welt im außen und in meinem inneren verändert, sondern mir auch Mut gegeben nach meinen eigenen Vorstellungen zu leben. Gerade dieser Punkt ist für mich ausschlaggebend, dass es mir heute besser geht als noch vor drei Jahren. Ich lebe ein Leben, dass viel mehr meinen eigenen Ideen und Bedürfnissen entspricht Jeden Tag lebe ich ein wenig mehr meine beste Version. Jetzt wo ich diesen Post schreibe, sitze ich übrigens auf Ngamba Insel im Victoria Lake, Uganda.

Die gewonnene Klarheit hat mir auch eine neue Lockerheit meinem Leben gegenüber verliehen.

Meine Maßstäbe für ein gutes Leben waren nicht optimal. Ich war besessen vom Streben nach Glück. Glück in jeder Sekunde meines Lebens war mein Ziel. Einen durchschnittlichen Tag wollte ich nicht haben und diese haben mich auch zu tiefst betrübt. Meditation hat mich gelehrt, dass es Ok ist durchschnittliche Tage zu haben. Vielmehr habe ich gelernt mit jedem meiner Gefühle und auch Ereignis im außen einfach zu sein. Das bedeutet nicht passiv zu sein. Es bedeutet zuerst einmal alles so zu sehen wie es ist, es anzuerkennen und akzeptieren, wirklich zu akzeptieren. Du kannst und sollst sehr wohl deinen Weg gehen, für deine Ideale einstehen und dein Bestes geben. Öfter als nicht, läuft nicht alles nach Plan, du wirst Umwege gehen müssen und öfter von der Geraden abbiegen als geplant. Offenheit diesen Abbiegungen gegenüber hat mir eine neue und unbekannte Lockerheit verliehen. Es ist OK nicht immer alles in Rekordzeit und nach Plan zu erledigen. Es geht doch viel mehr darum auf dem Weg zu deinen Zielen Spaß zu haben. Der Weg ist das Ziel. Dieses so alte Sprichwort kennt jeder und doch fordert es Mut danach zu leben.

Abschließend kann ich sagen, dass ich mich dank Meditation und der Buddhistischen Lehre, mit der ich mich beschäftige, lebendiger fühle als je zuvor. Ob ich noch immer krasse Episoden von Stimmungsschwankungen habe? Ja, darauf kannst du wetten. Sie kommen jedoch weniger oft und ich habe gelernt besser damit umgehen. Meditation ist ein Weg von vielen, mehr Bewusstheit, Klarheit und Sinn in dein Leben zu entwickeln. Tief in mir war schon immer dieses Verlangen, mir jeden Tag ein paar Minuten Zeit der Stille zu gönnen. Mein Dasein wurde durch Meditation bereichert und in mancherlei Hinsicht geheilt.

PS: Mein Post ist ausdrücklich kein Ersatz für ärztliche Hilfe. Meditation ist ein Weg der mir geholfen hat und ich hoffe, dass ich mit diesem Post vielen Menschen weiterhelfen kann. Findest du dich aber ohne Ausweg in deinen negativen Gedanken verstrickt, suche dir professionelle Hilfe und vor allem, sprich mit einem vertrauten Menschen darüber.

PPS: Wenn du mehr zum Thema Depression und Borderline Syndrom lesen willst, kann ich den Blog einer guten Freundin empfehlen: Grenzwertig

Bildquelle: Image

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